Was ist nutzloses Wissen?
Was ist nutzloses Wissen?
Vor 14 Jahrhunderten sah unser Prophet (Friede und Segen seien auf ihm), als er im Masjid Quba betete, eine Gruppe, die gemeinsam den Koran lernte. Er fragte sie: „Was tut ihr?“ Die Gruppe antwortete: „Wir lernen Wissen.“ Darauf sprach unser Prophet (Friede und Segen seien auf ihm) zu ihnen: „Solange ihr das Wissen, das ihr erlernt, nicht in eurem Leben anwendet, solange ihr nicht nach eurem Wissen handelt, werdet ihr keinen Nutzen daraus ziehen.“
Die Botschaft, die wir aus dieser Überlieferung entnehmen, ist, dass Wissen, das nicht ins Leben umgesetzt wird, nutzloses Wissen ist. In einer anderen Überlieferung sagte unser Prophet, der ehrenwerte Mohammed Mustafa (Friede und Segen seien auf ihm): „Wenn das Wissen eines Menschen wächst, seine Bekehrung jedoch nicht, dann entfernt er sich von Allah.“
Leider ist in dem, was die heutigen Religionslehrer als religiösen Inhalt gelernt haben, der Begriff „Bekehrung“ ausgelöscht und in einer Weise verfälscht worden, die dem Koran widerspricht. Fragt man sie: „Was ist Bekehrung?“, so antworten sie: „Der gerade Weg.“ Im Koran bedeutet Bekehrung jedoch die Rückkehr des Geistes zu Allah.
al-Imrān-73: Und (das Volk der Schrift sagte):“Glaubt nicht an etwas anderes außer an die, welche eurer Religion folgen .“ (Mein Geliebter) sprich zu Ihnen:“ Wahrlich die Bekehrung ist die Rückkehr zu Allah (Die Rückkehr des Geistes vom Menschen zu Allah vor dem Tod ). Es ist, dass jemandem etwas Ähnliches gegeben wird, so wie es euch gegeben wurde. Oder streiten sie sich mit euch in der Gegenwart von Allah? Sag (zu Ihnen): „Wahrlich die Gnade liegt in der Hand Allahs. Er gibt sie, wem Er will. Und Allah ist Allumfassende (sein Wissen ist weitreichend, und umfasst alles), Allwissend (der am besten Wissende).
„innel huda hudallachi: Wahrlich, Bekehrung ist die Rückkehr zu Allah.“
al-Baqara-120: Solange du deren Religion nicht folgst (befolgst), werden dich weder die Juden noch die Christen niemals akzeptieren. Sprich: “Wahrlich, die Rückkehr zu Allah (dass zurückführen durch Allah zu sich selbst), eben das ist die Bekehrung“. Wenn du, nachdem das Wissen zu dir gekommen ist, allen Ernstes deren Wünschen folgst, so wird Allah weder dein Beschützer noch dein Helfer sein.
„inne hudallachi huwel huda: Die Rückkehr zu Allah ist die Bekehrung.“
Da die Bekehrung, die der edle Koran beschreibt, in den heutigen religiösen Lehren nicht vorhanden ist, ist das Wissen derer, die diese Religion lehren, nutzlos, weil es dem Koran widerspricht. Auch unser Prophet (Friede und Segen seien auf ihm) betonte, dass er Zuflucht bei Allah vor nutzlosem Wissen sucht.
Diejenigen, die ihre Seele zur Gottheit nehmen, sind diejenigen, die trotz ihres Wissens in der Finsternis sind.
Der erhabene Allah spricht im 23. Vers der Sure al-Dschāthiya wie folgt:
al-Dschāthiya-23 Hast du die Person gesehen, die sich ihre Begierde zur Gottheit nimmt? Und Allah ließ sie auf ihrem Wissen ( ihrem unnützen Wissen) in der Finsternis. Und Er versiegelte seinen Hörsinn und sein Herz. Und Er zog einen Vorhang (namens Gschawet) über seinen Sehsinn (Baßar, Herzensauge). Wer außer Allah kann ihn in dieser Situation zur Bekehrung führen? Denkt ihr denn immer noch nicht tiefgründig nach?
Allah, der Erhabene, betont hier, dass Er diejenigen, die ihre Seele zur Gottheit nehmen, trotz ihres Wissens in der Finsternis lässt. Ihr Wissen hat sie nicht aus der Finsternis zur Bekehrung geführt. Eine Lehre ohne Bekehrung bleibt nutzloses Wissen und führt die Menschen nicht zur Errettung. In der 23. Sure, al-Dschāthiya, wird ausdrücklich betont, dass Wissen nur dann von Nutzen ist, wenn es die Bekehrung enthält.
Unser Prophet (Frieden und Segen seien auf ihm) sprach:
„O Allah! Mache mir das, was Du mich gelehrt hast, nützlich, und lehre mich das, was mir nützlich sein wird. Schenke mir das Wissen als Gabe, das mir Nutzen bringen wird.“ (Überliefert von Anas ibn Mālik)
Diejenigen, die nutzloses Wissen besitzen, sprechen in ihren Ratschlägen stets von der Teilreinigung der Seele und von guten Taten. Doch wenn ein Mensch das Wissen, das er besitzt, selbst nicht lebt, dann ist auch dieses Wissen nutzlos. Der erhabene Allah erklärt diese Wahrheit im 44. Vers der Sure al-Baqara.
al-Baqara-44 Vergesst Ihr euch selbst, wenn Ihr den Menschen ein Heiliger (Birr) zu werden (sich zu teilreinigen und zu ergeben) befiehlt? Und Ihr, begreift ihr denn noch immer nicht, obwohl ihr das Buch lest?
Ein Vater, der selbst raucht, aber seinem Kind rät, mit dem Rauchen aufzuhören, weil es schädlich ist, verfügt über nutzloses Wissen. Denn er hat es nicht in seinem eigenen Leben umgesetzt. Wissen ist nur dann nützlich, wenn es die Bekehrung enthält.
Die Menschen, von denen der erhabene Allah sagt, dass Er sie trotz ihres Wissens in der Finsternis gelassen hat, machen deutlich, dass sie zwar einer Religion haben, jedoch einer Praxis folgen, in der keine Bekehrung enthalten ist. Der edle Koran ist uns anvertraut. Dem Anvertrauten zu folgen, das heißt, die Gebote des edlen Korans in das eigene Leben zu integrieren, ist das Wesentliche. Die Menschen lesen zwar den edlen Koran, doch wenn sie ihn nicht in ihr Leben umsetzen, bleibt er für sie nichts weiter als nutzloses Wissen. Der erhabene Allah sagt dazu wie folgt:
ar-Rūm-7 Sie kennen nur das Äußere (den sichtbaren Teil) des irdischen Lebens, und sie sind diejenigen, die gegenüber dem ewigen Leben achtlos sind.
Wissen, in dem die Rückkehr zu Allah nicht enthalten ist, ist nutzloses Wissen. Da der Wunsch, zu Allah zurückzukehren, das Eingangstor zur Bekehrung ist, kann ein Mensch, der sich dies nicht wünscht, seine Religion niemals leben. Das Wissen dieser Person ist nutzlos, da es weder ihr selbst noch anderen nützt. Der edle Koran ist die Gesamtheit der Religion. In dieser Gesamtheit ist der Wunsch, zu Allah zurückzukehren, die von dem erhabenen Allah festgelegte Bedingung für unsere Errettung. Allah gibt demjenigen, der sich die Bekehrung (die Rückkehr zu Allah) wünscht, Unterscheidungsfähigkeiten, Gaben und sieben Segnungen; Er lässt ihn die Mittelgebote lieben und vollzieht die Teilreinigung der Seele. So führt Er diesen Menschen zur Stufe des festen Glaubens durch das Wissen (İlm’el yakîn), dann zur Stufe des festen Glaubens durch absolutes Wissen jenseits der Physik (Ayn’el yakîn) und schließlich zur Stufe des festen Glaubens durch das Sehen von Allah (Hakk’ul yakîn).
Unser Prophet (Frieden und Segen sein auf ihm) sprach:
„Am Tag des Jüngsten Gerichts wird der Mensch vor seinem Herrn nicht fortkommen, bis er über fünf Dinge Rechenschaft abgelegt hat: 1. Wo er sein Leben aufgebraucht hat. 2. Wofür er seine Jugend aufgerieben hat. 3. Woher er sein Vermögen erworben hat. 4. Wofür er es ausgegeben hat. 5. Wie er mit dem Wissen gehandelt hat, das er erworben hat.“ (Tirmidhi, Sifat al-Qiyama)
Diese Überlieferung ist im Hinblick auf die Beziehung zwischen Mensch und Allah von großer Bedeutung. So wie ein Mensch sein kostbares Leben verbracht hat, so wird auch seine Abrechnung und Belohnung ausfallen.
Im weiteren Verlauf der edlen Überlieferung vermittelt unser Prophet (Friede und Segen seien auf ihm) mit der Formulierung „die Tat, die nicht erhöht“ eine weitere Botschaft. Wenn ein Mensch sein Wissen im Leben umsetzt, wird ihn dieses gelebte Wissen erhöhen. In den Versen 103, 104 und 105 der Sure al-Kahf hat der erhabene Allah diese Thematik eindeutig dargelegt. Wer die Verse leugnet, die den Wunsch zur Rückkehr zu Allah betreffen, und sich diese Rückkehr nicht wünscht, dessen Taten, die auf nutzlosem Wissen beruhen, sind ebenfalls vergeblich.
al-Kahf-103: Sprich: „Soll ich euch jene verkünden, die sich bezüglich der Taten im größten Verlust befinden?“
al-Kahf-104 Sie sind diejenigen deren Taten (Anstrengungen) in ihrem irdischen Leben verloren gegangen sind. (die mehr verlorene Punkte als gewonnene Punkte haben) Und sie meinen, dass sie schöne Taten verrichten.
al-Kahf-105: Eben diese, haben die Verse ihres Herrn und die Rückkehr zu Ihm (die Rückkehr des Geistes zu Allah vor dem Tod) geleugnet. Dadurch sind ihre Taten nichtig geworden (umsonst gewesen). Nun werden Wir für sie am Tag des jüngsten Gerichts keine Waagen aufstellen.
Wenn die Taten eines Menschen vergeblich sind, dann erhöhen sie ihn nicht. Damit eine Tat den Menschen erhöhen kann, muss es sich um eine läuternde Tat (eine Tat, die die Seele reinigt) handeln. Die läuternde Tat, die die Person in der Gegenwart Allahs erhöht, ist die Preisung. Sie setzt ein, wenn die Person sich die Rückkehr zu Allah wünscht und sich mit zwölf Gaben an ihren heiligen Lehrer bindet.
Unser Prophet (Frieden und Segen seien auf ihm) erwähnte:
„Glaube und Tat sind nicht voneinander zu trennen. Ein Glaube ohne Taten nützt demnach ebenso wenig wie eine Tat ohne Glauben.“ (Q: Suyuti, el-Camius-sağır I, 127; Camiu’l-Ehadis cild:3 s.452 H.no: 9745; Cem’ü’l-cevami’ el-Camiü’l-kebir cild 3 s.579 H. no: 10228/590.)
Aus dieser edlen Überlieferung wird deutlich, dass Handeln ohne Wissen und Wissen ohne Handeln nicht möglich ist. Dass das Handeln den Menschen zur Errettung führt, ist nur durch Wissen, sprich durch das Erlernen der Bekehrung und durch den Wunsch zur Bekehrung möglich.
Die heute praktizierten fünf Säulen des Islams umfassen zwar die von Allah vorgeschriebenen Pflichten, sind jedoch unvollständig. Es fehlen die Bekehrung (der Wunsch, zu Allah zurückzukehren) sowie die Preisung und die Bindung. Eine bloße Abfolge von Handlungen, die allein auf den fünf Säulen des Islams und den Mittelgeboten beruht, reicht nicht aus, um den Menschen zu erhöhen, da der Wunsch, zu Allah zurückzukehren, fehlt. Damit diese Handlung den Menschen erhöhen kann, muss sein Geist den Körper verlassen, die Reise (Seyr-i Sülûk) antreten, in den Himmeln aufsteigen und schließlich das Wesen Allahs in der Nicht-Existenz erreichen. Allah, der Erhabene, sagt hierzu:
al-A'rāf-175 Lies (erzähle) ihnen die Botschaft dessen vor, dem Wir Unsere Verse gaben. Dann trennte er sich davon (von den Versen). Der Teufel hat ihn nun an sich gebunden. So wurde er von denen, die (von den Zügellosen) Schaden erlitten haben .
al-A'rāf-176 Und hätten Wir es gewollt, Wir hätten ihn selbstverständlich damit (mit Unseren Versen) erhöhen können. Doch er neigte sich der Welt zu und folgte seinen Begierden (den Lastern seiner Seele). Sein Zustand ist wie der Zustand eines Hundes; er hechelt, wenn du dich um ihn kümmerst, er hechelt, auch wenn du ihn verlässt (ihn sich selbst überlässt). So ist der Zustand des Volkes, das Unsere Verse leugnet. Erzähle nun diese Geschichte, damit sie nachdenken.
Im religiösen Leben gibt es negative Punkte, d.h. Sünden, die durch das Böse entstehen, das die Menschen begehen, und positive Punkte, nämlich Verdienste, die entsprechend den Wünschen des Geistes erworben werden und Belohnungen darstellen. In der Sure al-Mu’minūn, Vers 102, knüpft der erhabene Allah den Eintritt ins Paradies an die Bedingung, dass die positiven Punkte überwiegen. Der Maßstab für den Eintritt in die Hölle ist hingegen, dass die negativen Punkte überwiegen.
al-Mu'minūn-102: Diejenigen, deren Auswertung vom Computersystem (Mizan, Waage ihres Gotteslohns) schwer wiegt, sind jene, die die Errettung erreichen.
Wenn sich ein Mensch wünscht, zu Allah zurückzukehren, bedeckt der erhabene Allah gemäß dem 29. Vers der Sure al-Anfal all seine Sünden.
al-Anfāl-29: O ihr, die ihr wahren Gläubigen! Wenn ihr Allah gegenüber Besitzer der Frömmigkeit werdet, macht Er euch zum Besitzer der Unterscheidungsfähigkeit (die Eigenschaft, Wahrheit und Aberglaube zu unterscheiden)! Und bedeckt (eure) Sünden und vergibt euch euch (wandelt eure Sünden in Gotteslohn um, Mağfiret). Und Allah ist Besitzer großer Tugend.
Unser Prophet (Frieden und Segen seien auf ihm) erwähnte:
„Das Grab ist entweder ein Garten unter den Gärten des Paradieses oder eine Grube unter den Gruben der Hölle“ (Q: Tirmidhi, Kiyâmet, 26) und verkündete damit denjenigen, die sich die Rückkehr zu Allah wünschen, eine frohe Botschaft. Er warnte zugleich jene, die es nicht wünschen.
Wer sich die Rückkehr zu Allah nicht wünscht, dem bleiben nur die Sünden. Denn die Taten derer, die sich die Rückkehr zu Allah nicht wünschen, sind vergeblich. Im 65. Vers der Sure az-Zumar macht Allah, der Erhabene, deutlich, dass die Taten derer vergeblich sind, die Ihm etwas beigesellen, also jener, die sich die Rückkehr zu Allah nicht wünschen.
az-Zumar-65: Und Ich schwöre, dass dir und denen vor dir offenbart wurde: “Wenn du Ihm etwas beigesellst (dir die Rückkehr zu Allah nicht wünschst) werden deine Taten mit Sicherheit verloren gehen. Und du wirst wahrlich von denen sein, die in den Verlust geraten”.
Wie wir bereits zuvor dargelegt haben, erwähnte unser Prophet (Friede und Segen seien auf ihm) in einer Überlieferung: „Für meine Gemeinschaft fürchte ich nicht die offene Beigesellung, vielmehr fürchte ich die verborgene Beigesellung.“
Wenn sich ein Mensch die Rückkehr zu Allah nicht wünscht, befindet er sich in verborgener Beigesellung. Da dieser Wunsch in der heutigen Religionspraxis fehlt, befindet sich jeder, der diese Praxis ausführt, in verborgener Beigesellung und folgt dem Teufel. Aufgrund dieser verborgenen Beigesellung sind seine Taten nichtig und die Errettung ist unmöglich.
Unser Prophet (Frieden und Segen seien mit ihm) sprach:
„Wer dem Wunsch des Anvertrauten nicht folgt, besitzt keinen Glauben. Wer dem Ahd-Eid nicht treu ist, hat keine Religion.“ (Q: Ramuz, 463 / 3, Tabarani, Bezzar, Ibn Abbas; Ahmad b. Hanbal, III, 135.)
Der Mensch wurde mit drei Körpern, freiem Willen und Verstand erschaffen. In der Ewigkeit hat er Allah versprochen, ihm die, Anvertrauten, die er besitzt zu übergeben. Da alle Menschen in der Finsternis geboren werden und zu Beginn alle in ihr sind, ist es ihre Pflicht, dem Wunsch dieses Anvertrauten zu folgen. Obwohl dies das eigentliche Ziel des Islams ist, bleibt ein Großteil der Menschen auf der zweiten Stufe und erfüllt diese Pflichtgebote Allahs nicht.
Wie bereits erwähnt, werden auf der zweiten Stufe mehr als 90 Prozent der Menschen von Allah auserwählt. Wer von diesen Auserwählten sich die Rückkehr zu Allah wünscht, folgt dem Wunsch des Anvertrauten. In dieser Hinsicht hat die zweite Stufe des Islams, auf der die Ereignisse bewertet werden, große Bedeutung. Auch der Gesandte Allahs (Friede und Segen seien auf ihm) weist in seiner Überlieferung auf die Wichtigkeit dieser Stufe hin. Wer dem Wunsch des Anvertrauten nicht folgt, ist jemand, der die Ereignisse nicht richtig bewerten kann und sich deshalb niemals die Rückkehr zu Allah wünschen wird. Ein solcher Mensch hat keinen Glauben, und da er seine Versprechen gegenüber Allah nicht einhält, hat er auch keine Religion. Für ihn ist es unmöglich, die Glückseligkeit in dieser Welt und im Jenseits zu erlangen.