WEIZEN ODER GEISTLICHE HILFE?

(Yunus Emre, ein Sufi Lehrer der „Liebe“)

Yunus Emre sah seinen heiligen Lehrer siebenmal im Traum. Zwischen Yunus und seinem heiligen Lehrer begann im Traum eine Bindung, die er zunächst nicht verstand. Erst Jahre später, als eine Hungersnot das Land traf, wurde alles deutlicher. Auf den Rat seiner Freunde hin machte er sich auf den Weg zum Orden von Hadschi Bektasch Wali und bat dort um Weizen. Doch Hadschi Bektasch Wali wusste, dass diese Hungersnot kein Zufall war. Sie war ein Zeichen, ein Ruf Gottes.

„Und sehen sie nicht, dass sie ein- oder zweimal im Jahr geprüft werden? Sie tun dann keine Buße (wenden sich Allah nicht zu) und sie preisen nicht (sie wiederholen den Namen Allahs nicht aufeinanderfolgend).“ (at-Tauba 126)

Er sagt zu Yunus: „Willst du die geistliche Hilfe oder den Weizen?“ Mit anderen Worten: „Willst du Gott oder die Welt?“ Yunus entscheidet sich für den Weizen und macht sich mit seinem voll bepackten Esel auf den Weg. Unterwegs schoss ihm folgender Gedanke durch den Kopf: „Dieser geliebte Diener Gottes, dieser großzügige Mensch, hat mich zwischen der geistlichen Hilfe und dem Weizen wählen lassen. Was ist diese geistliche Hilfe eigentlich?“ Er kehrt um und fragt: „Meister, was ist die geistliche Hilfe?“ Hadschi Bektasch Wali antwortet: „Die geistliche Hilfe hütet dich und du wirst deine Kinder hüten.“ Als Yunus das hört, lässt er den Weizen stehen und sagt: „Wenn die geistliche Hilfe wertvoller ist als der Weizen, wenn man mit ihr Weizen bekommen kann, aber mit Weizen keine geistliche Hilfe, dann will ich die geistliche Hilfe.“

Hadschi Bektasch Wali wird still, wendet sich an Gott und sagt dann: „Ich bin nicht der Richtige für dich,  Tapduk Emre wird dich weiterführen.“

Als Yunus schließlich seinen heiligen Lehrer erreicht, erkennt er, dass Tapduk Emre der Mann ist, den er siebenmal im Traum gesehen hat. Yunus ist tief bewegt und beginnt zu weinen. Er legt die Buße vor Tapduk Emre ab. So beginnt Yunus’ eigentliche Reise. Von Anfang an steht fest: Es sind Liebe und Zuneigung sowie der Wunsch, zu Gott zurück zurückzukehren, die ihn tragen.

Deine Liebe nahm mir mich selbst. 

Ich brauche Dich, nur Dich

Ich brenne Tag und Nacht.

Ich brauche Dich, nur Dich.

Ich freue mich nicht über Reichtum,

und klage auch nicht über Armut.

Ich tröste mich mit Deiner Liebe.

Ich brauche Dich, nur Dich.

Yunus Emre

Was ist DIE GEISTLICHE HILFE?

Die geistliche Hilfe ist eine großartige Gabe Gottes. Nur diejenigen, die sie in der von Gott gebotenen Form und dem von Ihm bestimmten Maß verstehen, können sie erleben.

In den abrahamitischen Religionen steht die Ergebung an Gott im Mittelpunkt. Dazu gehört die Ergebung des Geistes, des physischen Körpers, der Seele und des Willens zu Gott. In diesem Zusammenhang wird deutlich: Zwischen dem Menschen und seinem Ziel gibt es einen Vermittler, den heiligen Lehrer.

Das helfende Licht und die materiellen sowie geistigen Gaben Gottes, all das, was einen Menschen auf seinem Weg trägt, ihn erhebt und ihn auf dem Weg zur Vollkommenheit nach seiner Rückkehr zu Gott begleitet, geschieht durch den heiligen Lehrer.

Wenn jemand vor dem heiligen Lehrer Buße tut, werden seine Sünden in Gotteslohn umgewandelt, dies ist ein Zeichen der geistlichen Hilfe. Legt sich anschließend der Geist des Imams der Epoche über das Haupt des Menschen, wird der Glaube in sein Herz geschrieben. Dies ist ein weiteres Zeichen dieser Hilfe.

Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zu Gott als nur durch mich. (Johannes 14,6)

„Du wirst kein Volk vorfinden, welches an Allah und an den Tag danach (an die Rückkehr zu Allah vor dem Tod) glaubt und Zuneigung für diejenigen empfindet, die sich Allah und Seinem Gesandten widersetzen. Selbst wenn es ihre Väter, ihre Söhne, ihre Geschwister oder ihr eigener Stamm wäre. Eben dies sind also jene, in deren Herzen Er (Allah) den Glauben geschrieben hat. Und hat sie mit einem Geist von Sich unterstützt (der Geist des Imam der Epoche, der dort ausgebildet worden ist, lässt sich auf ihren Köpfen nieder). Und wird sie in Paradiese aufnehmen, unter denen Flüsse durchströmen. Sie sind jene, die dort ewig verweilen werden. Allah ist zufrieden mit ihnen geworden. Und sie sind zufrieden mit Ihm (Allah) geworden. Eben sie, sind die Anhänger Allahs. Sind nicht wahrlich die Anhänger Allahs diejenigen, die die Errettung erreichen?“ (al-Mudschadala 22)

Ebenso aber nimmt auch der Geist sich unserer Schwachheit an; denn wir wissen nicht, was wir bitten sollen, wie es sich gebührt, aber der Geist selbst verwendet sich ⟨für uns⟩ in unaussprechlichen Seufzern. Der aber die Herzen erforscht, weiß, was der Sinn des Geistes ist, denn er verwendet sich für Heilige Gott gemäß. (Römer 8,26,27)